Die Entdeckung des Geschmacks . . . BITTER

BITTER . . . .Geschmacksrichtung

Brauchst Du Deine Tasse Kaffee am Morgen? Oder Du kommst ohne Deinen Tee nicht in die Gänge? Dann beginnst Du Deinen Tag mit einem Bitterstoff (Coffein), der Dir aufs „Fahrrad“ hilft.

Bitter ist neben süß, sauer, salzig, fettig  und umami eine der sechs Geschmacksrichtungen, die z. B. von der Zunge wahrgenommen werden können.

Als herb dagegen wird ein Geschmack oder Geruch bezeichnet, der ein wenig scharf oder würzig sowie leicht bitter oder säuerlicher schmeckt oder riecht.

Verantwortlich für den bitteren Geschmack sind „Bitterstoffe“ wie beispielsweise das Alkaloid Chinin im Softdrink Bitter Lemon. Die bitterste nicht-alkalische bekannte Verbindung ist Denatonium.

Bitter in Bezug auf Geschmack

Der Bittergeschmack wird beim Menschen durch Bitterstoffrezeptoren auf der Zunge ausgelöst. Sie sollen z. B. vor Vergiftungen schützen, indem sie beispielsweise bei der Wahrnehmung hoher Bitterstoffgehalte die Produktion der teils antimikrobiell und verdauungsfördernd wirkenden Magensäure ankurbeln. Fünf dieser Rezeptoren reagieren unter anderem auf das in  Kaffee  oder  Espresso  enthaltene  Coffein.

Damit ist der Geschmackssinn für Bitteres der komplexeste von allen. Und das, damit sofort Alarm an das Großhirn geschlagen werden kann: „Vorsicht, bitter! Lieber nicht essen!“

Im Fall von Aprikosenkernen oder unbehandelten Bittermandeln macht dieser Schutzmechanismus auch Sinn – sie sind nämlich toxisch. Auch wenn eine Zucchini richtig bitter schmeckt, sollte man die sensorische Warnung ernst nehmen. Durch eine zufällige Kreuzung mit einem Zierkürbis können Zucchini nämlich giftige Substanzen enthalten, die Übelkeit und Durchfall auslösen.

Physiologische Wirkung

Bitterstoffe regen über Bitterstoffrezeptoren auf den Geschmacksknospen per Reflex die Bildung von Speichel- und Magensaftsekretion an, was zu einer Appetiterhöhung führt. Außerdem wird im Magen das Hormon Gastrin ausgestoßen, das Magen- und Darmbewegung sowie die Produktion von Gallen- und Pankreasflüssigkeit anregt und damit die Verdauung erleichtert und Verdauungsbeschwerden vorbeugt.

Durch zu hohe Aufnahme können allerdings auch entgegengesetzte Wirkungen auftreten.

Seit wenigen Jahren ist bekannt, dass sich Bitterstoffrezeptoren auch im kompletten Verdauungstrakt und in weiteren Organen wie in der Haut und im Gehirn finden, wodurch weitere physiologische Einflüsse möglich sind. Beispielsweise induzieren die Bitterstoffrezeptoren in der Haut den Aufbau der Hautbarriere.

Adriaen Brouwer: Der bittere Trank, um 1636–1638

bitter (Deutsch)
Wortart:
Adjektiv

Steigerungen:
Positiv bitter, Komparativ bitterer, Superlativ am bittersten

Wort- / Silbentrennung:
bit·ter, Komparativ: bit·te·rer, Superlativ: am bit·ters·ten

Aussprache/Betonung:
IPA: [ˈbɪtɐ], Komparativ: [ˈbɪtəʁɐ], Superlativ: [ˈbɪtɐstn̩]

Wortbedeutung/Definition:
1) Geschmack: Eine von vielen Menschen grundlegende teilweise unangenehm empfundene Geschmacksrichtung
2) übertragen, figurativ: im Sinn von unangenehm
3) Präfix bitter- zur Steigerung von unangenehm: bitterkalt, bitterböse, bitterernst

Begriffsursprung / Herkunft:
Das Adjektiv bitter (althochdeutsch: bittar, mittelhochdeutsch bitter leitet sich ursprünglich von dem Verb beißen ab und bedeutet somit ursprünglich: vom Geschmack her und allgemein beißend, scharf; im übertragenen Sinn bedeutet es dann vom Charakter her quälend, schmerzhaft, hart, verletzend.

Synonyme:
herb

Gegenwörter:
Kohyponyme: süß; salzig, sauer; fettig; umami

Anwendungsbeispiele:
1) Mandeln schmecken bitter.
2) Ich trinke gerne bitteren Likör.
3) Das war für alle ein bitterer Ausgang dieser Geschichte.
4) „Hänsel und Gretel verirrten sich im Wald. Es war so finster und auch so bitterkalt …“ (aus einem deutschen Kinderlied)
5) bittere Schokolade
6) die Marmelade hat einen leicht bitteren Beigeschmack
7) die Medizin ist sehr bitter

Redensart/Redewendungen:
1) bittere Mandeln, bittere Medizin, bittere Pillen
2) bittere Medizin / bittere Pillen schlucken (= Unangenehme Ereignisse hinnehmen müssen),
3) bittere Kälte, bitterkalt; bitterer Frost; bittere Armut, bitterarm; bitterer Ernst, bitterernst

Charakteristische Wortkombinationen:
1. bittere Mandeln
2. bittere Kälte, bitterer Frost, bittere Armut, bitterer Ernst

Abgeleitete Wörter:
bitterarm, bitterernst, bitterkalt, Bitterkeit, Bitternis, Bitterstoff, Verbitterung, bitterlich, verbittern

Übersetzungen

Albanisch:  hidhur 
Arabisch:  مر ? 
Aserbaidschanisch: [acı
Bulgarisch:  горчиво (gorčívo)
Dänisch:  bitter
Englisch:  bitter
Esperanto:  amara 
Färöisch:  beiskur 
Finnisch:  katkera 
Französisch:  amer 
Georgisch:  მწარე (mts’are) 
Griechisch (Neu-):  πικρός (pikrós)                        
Interlingua:  amar  Isländisch:  beiskur
Italienisch:  amaro
Japanisch:  苦い (にがい, nigai) 
Katalanisch:  amarg
Kroatisch:  gorak
Latein:  acerbus, amarus
Niederländisch:  bitter;  naar; [ schrijnend
Norwegisch:  bitter
Polnisch:  gorzki
Portugiesisch:  amargo
Rumänisch:  amar
Russisch:  горький (gorkij)
Sardisch:  amargu
Schwedisch: [ bitter , besk; bitter-
Serbisch:  горак (gorak)
Slowakisch:  horký
Spanisch:  amargo
Tschechisch:  hořký
Türkisch:acı, şekersiz (bei                            Kaffee/Tee), dokunaklı
Ungarisch:  keserű 
Vietnamesisch:  đắng
Dialektausdrücke:
Bayrisch:  hantig

Rezeption im Körper – Aufnahme Verdauung

Und nochmal – vergesst zu allererst den Quatsch mit der „Zungenkarte“ – Es gibt sie schlicht und ergreifend nicht. Wenn etwas existiert sind das tatsächlich unsere Geschmacksrezeptoren und die funktionieren bei BITTER wie folgt.

 Bitterstoffrezeptoren heißen hTAS2-Rezeptoren (hTAS2R; das „h“ zu Beginn steht für „human“, also für „menschlich“). hTAS2R-Rezeptoren befinden sich in den Geschmacksrezeptorzellen. Diese  organisieren sich wiederum zu den berühmten Geschmacksknospen“. Diese wiederum befinden sich in den Geschmackspapillen auf der Zunge. Die meisten hTAS2R befinden sich in den „Wallpapillen“ am Zungengrund.

Dabei existieren auf den Spitzen der Geschmacksrezeptorzellen im Mund- und Rachenraum rund 25 verschiedene Bitterrezeptor-Typen: die sollen unter anderem vor Vergiftungen schützen, indem sie beispielsweise bei der Wahrnehmung hoher Bitterstoffgehalte die Produktion der teils antimikrobiell und verdauungsfördernd  wirkenden Magensäure ankurbeln. Fünf dieser Rezeptoren reagieren unter anderem auf das in Kaffee oder Espresso enthaltene Coffein.

Forscher aus Potsdam und Wien haben nachgewiesen, dass auch Rezeptoren im Magen auf Bitterstoffe reagieren, die beeinflussen ebenfalls die Ausschüttung von Magensäure.

2010 wurden Bitterstoffrezeptoren in den Muskelzellen der Bronchien nachgewiesen: Werden diese Rezeptoren von Bitterstoffen gereizt (z. B. beim Genuss von Salbei), entspannen sich die Muskeln und erweitern dadurch die Bronchien, was das Einatmen erleichtert.

2016 konnten Wissenschaftler des Forschungszentrum Skinitial an der Universität Freiburg im Breisgau Bitterstoffrezeptoren auf der menschlichen Haut nachweisen: sie verstärken die „Hautbarriere“, welche den Körper vor Sonneneinstrahlung, Bakterienbefall oder dem Eindringen von Giften schützt. Pflanzliche Bitterstoffe wie Amarogentin aus dem Gelben Enzian oder Salicin aus der Weide docken hier an und bewirken das Einströmen von Calcium in die Hautzellen. Nach der Behandlung mit Amarogentin und Salicin hatte der Fettgehalt in der oberen Hautschicht zugenommen.

Darüber hinaus wurde beobachtet, dass der Bitterstoff Diphenidol Nervenzellen zur Bildung von Dendriten anregte: Diese wiederum dienen der Informationsweitergabe zu benachbarten Zellen (ein Ablauf, welcher dem des normalen Lernens entspricht)

Bitterstoffe – Beschreibung – Chemie

Strukturformeln einiger Bitterstoffe

Chinin – Ein Wirkstoff gegen Malaria – – – – – Humulon – Kommt in Hopfen und Bier vor

Cucurbitacin E-Gift in Gurkenpflanzen und Kürbissen – – – – Koffein – Stimulans in Kaffee und Tee

Als Bitterstoffe werden alle chemischen Verbindungen bezeichnet, die durch Aktivierung von T2R (G-Protein-gekoppelter Rezeptor) einen bitteren Geschmack aufweisen. Sie können sowohl aus der Natur kommen als auch synthetisch hergestellt werden. Bitterstoffe sind keine chemisch einheitliche Gruppe, sondern zeichnen sich nur dadurch aus, dass sie bitter schmecken.

Bitterstoffe steigern reflektorisch die Magen- und Gallensaftsekretion und wirken daher appetitanregend und verdauungsfördernd. Viele sind allerdings giftig, sodass sie aus vielen Pflanzen herausgezüchtet wurden, um diese überhaupt genießbar zu machen.

Bitterstoffe besitzen keine einheitliche chemische Zusammensetzung, so können die Vertreter verschiedenster Stoffgruppen bitter schmecken. Viele Bitterstoffe kommen unter anderem unter den Alkaloiden, Glycosiden und Isoprenoiden vor. Auch verschiedene Stereoisomere eines Stoffes können unterschiedlich schmecken, so ist die L-Form der Aminosäure Tryptophan ein Bitterstoff, während die D-Form ein Süßstoff ist.

Vorkommen und Bedeutung

Die Pommeranze (Bitterorange) verdankt ihren Namen den Bitterstoffen

Bitterstoffe kommen in der Natur in fast allen Pflanzen vor. Für einige Pflanzen, wie Bittermandeln oder Bitterorangen sind sie sogar namensgebend. Für viele Pflanzenwirken sie als  Schutz gegen Fraßfeinde, für die der Geschmack ungenießbar ist. In vielen kultivierten Gemüsesorten wurde der Gehalt durch Züchtung reduziert, um sie genießbar zu machen, wohingegen in Wildpflanzen oder älteren Sorten oft noch hohe Gehalte an Bitterstoffen vorhanden sind. Im Gegenzug ist der bittere Geschmack ein natürlicher Schutz vor Giftstoffen, da diese oftmals bitter schmecken.

Darüber hinaus gibt es auch synthetische Bitterstoffe. Beispiele dafür sind Denatoniumbenzoat, der bislang bitterste bekannte Stoff überhaupt, und Phenylthiocarbamid.

Nutzung in der Medizin

In der klassischen Medizin werden Bitterstoffe zur Appetitanregung z. B. bei Achylie oder Anorexie und bei Mundtrockenheit empfohlen. Substanzen, die von ihrem Geschmack unabhängige, starke pharmakologische Wirkungen haben, werden in der Regel nicht medizinisch als Bitterstoffe eingesetzt. Einige Bitterstoffe wie Koffein, Theobromin und andere psychoaktive Substanzen haben die Eigenschaft, die Blut-Hirn-Schranke passieren zu können. Ein medizinisch bedeutender Bitterstoff ist das aus Chinarinde gewonnene Alkaloid Chinin, das zur Behandlung von Malaria eingesetzt wird.

Bitterstoffe sollten aufgrund der physiologischen Auswirkungen nicht bei Hyperazidität des Magens, Magengeschwüren, Ulcus duodeni oder Gallensteinen zugeführt werden.

Pflanzenheilkunde

Schon in den Rezepten von antiken, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Autoren wie Hippokrates, Hildegard von Bingen oder Leonhart Fuchs werden heimische Bitterkräuter gegen verschiedene innere Leiden empfohlen. Heute basiert ein Drittel aller pflanzlichen Heilmittel auf bitteren Zutaten. Bitterstoffdrogen (Amara) sind Heilpflanzen, bei denen die Wirkung der Bitterstoffe im Vordergrund steht. Diese werden in vier Klassen eingeteilt. Bei reinen Bitterstoffdrogen (Amara pura) steht die Bitterwirkung allein im Vordergrund. Beispiele dafür sind: Enzian, Artischocke, Tausendgüldenkraut und Löwenzahn.

Aromatische Bitterstoffe (Amara aromatica) enthalten neben Bittermitteln auch ätherische Öle. Beispiele sind: Hopfen, Bitterorange, Wermut und Engelwurz.

Daneben gibt es noch Bitterstoffdrogen, die auch Scharfstoffe enthalten (Amara acria) wie zum Beispiel Ingwer oder Galgant und solche, die Schleimstoffe enthalten (Amara mucilacinosa) wie etwa Isländisch Moos.

Allgemein werden sie bei verschieden somaotoformen Störungen wie Stress, Müdigkeit oder Erschöpfung eingesetzt und ihnen wird eine antidepressive Wirkung sowie eine allgemeine kräftigende Wirkung nachgesagt. Deshalb sind sie häufig als Tinktur oder Teezubereitung in frei verkäuflichen „Tonika“ (Kräftigungsmitteln) oder Geriatrika enthalten. Eine mögliche wissenschaftliche Erklärung für die allgemeinen positiven Effekte sind die Bitterstoffrezeptoren im Darmbereich. Diese könnten zu Rückwirkungen auf das ZNS und das Vegetative Nervensystem führen.

Bilder einiger Bitterstoffpflanzen

1.  Löwenzahn – – – – – – – – – – – – – -2. Gänseblümchen – – – – – – – – -3. Hopfen
4. Wermut – – – – 5. Fieberklee – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – 6. Gelber Enzian

 

Weitere Anwendungen

Der künstliche Bitterstoff Denatoniumbenzoat wird für die Vergällung von Alkohol und zahlreiche weiteren Flüssigkeiten, die beim Verschlucken insbesondere für Kinder gefährlich sind, genutzt. Beispiele dafür sind Methanol, Lösungsmittel, Reinigungsmittel oder Shampoos. Außerdem wird es in Lacken verwendet, die das Fingernägelkauen verhindern sollen.

Von manchen Nahrungsergänzungsmitteln werden Bitterstoffe genutzt, welche das Abnehmen erleichtern sollen, indem sie den Heißhunger auf süßes reduzieren sollen.

Standardisierung

Die „Bitterkeit“ ist eine nicht objektiv messbare Eigenschaft der genannten Stoffe. Zur Abstufung und quantitativen Beschreibung dient ihr Bitterwert, der pharmazeutisch als der reziproke Wert derjenigen Konzentration, die gerade noch als bitter wahrgenommen wird, definiert ist. Der Bitterwert wird mit einer Geschmacksprüfung im Vergleich zu einer Verdünnungsreihe von Chininhydrochlorid ermittelt.

Die bitterste natürliche Substanz der Welt ist Amarogentin, ein Bitterstoff, der aus der Enzianwurzel gewonnen wird. Amarogentin ist auch in einer Verdünnung von eins zu 58 Millionen noch deutlich wahrnehmbar.

Bitterstoffe in Speisen

Fein dosiert kann der bittere Geschmack Speisen und Getränken ein „gewisses Etwas“ verleihen. Beispiele dafür (die auch das Wort bitter in ihrer Bezeichnung tragen) sind z. B. Bittermandel, Bitter Lemon, Bitterorange oder Zartbitterschokolade. In höherer Konzentration kann der Gehalt an Bitterstoffen vermeintliche Speisen aber auch ungenießbar machen, wie beim Pilz Wurzelnder Bitterröhrling; das ursprünglich als medizinisches Tonikum entwickelte Angostura-Bitter ist so bitter, dass es sich lediglich als Würzmittel bzw. Geschmackszutat eignet.

Die die Ausschüttung von Magensäure beeinflussenden Bitterstoff-Rezeptoren im Magen erklären die appetitanregende bzw. verdauungsfördernde Wirkung von Espresso oder anderen Bitterstoffe enthaltenden Lebensmitteln wie Obst (z. B. Orangen, Zitronen), Gemüsen, Kräutern, Salaten, „Magenbittern“ oder des in Bier enthaltenen Hopfens.

Und jetzt das Ganze nochmal leicht verständlich und mit zusätzlichen Infos für die Küche und Deine Ernährung

Bitterstoffe finden sich in vielen gesunden Kräutern und verleihen ihnen ihr spezielles Aroma. Ihre Vorteile: Sie bringen die Verdauung in Gang und helfen beim Abnehmen. Warum du sonst noch auf den bitteren Geschmack kommen solltest? Lies weiter und als Bonus gibt es noch ein paar leckere Rezepte und Zubereitungstipps.

Inhalt

Bitterstoffe – Der natürliche Nutzen
Bitterstoffe – besser für die Gesundheit
Bitterstoffe – Abnehmen und Schlank werden
Bitterstoffe – Hast Du genug davon, oder brauchst Du noch?
Bitterstoffe – Ein Trio für alle Fälle
Bitterstoffe – So nutz du bittere Lebensmittel für deine Ernährung
Bitterstoffe – In welchen Lebensmitteln sie sind
Bitterstoffe – Die Rezepte

Zugegeben, auf den ersten Bissen sind bittere Lebensmittel meist keine Gaumenschmeichler. Mit bitteren Lebensmitteln hältst du deine Haut fit und gesund

Das Gesicht verzieht sich, wenn wir bestimmte Kräuter, Gemüse oder Obstsorten essen. Trotzdem sollten wir Ruccola, Chicorée, Artischocken und Löwenzahn eine Chance bei unserer Ernärung geben.

Denn: Ihre Bitterstoffe bringen unsere Verdauung auf Touren, reduzieren Heißhunger, fördern die Fettverdauung und sind obendrein noch echt brauchbar für unser Immunsystem.

Bitterstoffe – Der natürliche Nutzen

Die Abneigung gegen Bitteres hat rein gesundheitlich ihren Sinn. Denn Bitter und Sauer, warnen uns instinktiv vor giftiger oder verdorbener Nahrung. Im Gegensatz zu Süßem, Sazigem und Herzhaftem (UMAMI), welche wir automatisch als äußerst schmachhaft einstufen.“

Um sich vor potenziell gefährlichen Lebensmitteln zu schützen, hat wir einen wachsamen Security Mitarbeiter: die Zunge. Hier sind also diese zahlreichen  Geschmacksrezeptorzellen lokalisiert, die in Geschmacksknospen zusammengefasst sind. De identifizieren Süßes, Saures, Salziges, Umami und Bitteres in unserer Nahrung, wobei sich der Geschmackssinn für das Bittere etwas von den anderen unterscheidet.

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Bitterstoffe – besser für die Gesundheit

Bitterkräuter

Zudem ist das Bittere äußerst attraktiv für unsere Gesundheit. Es hat einen hohen Gesundheitswert. Die Liste an Gesundheits-Vorteilen ist lang. Bitterstoffe fördern die Durchblutung und die Verdauung – ganz speziell, was die Gallenflüssigkeit- und Magensäureproduktion angeht. Damit kann unser Körper die Nährstoffe optimal verwerten.

Sogar die Tätigkeit von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse wird durch Bitterstoffe angeregt. Das erleichtert die Fettverdauung. Kein Wunder also, dass die entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung Bitterstoffe in den Fokus rückt.

Bitterstoffe – Ein Trio für alle Fälle

Bitterstoffe sind keine einheitliche chemische Gruppe. Ihre Gemeinsamkeit ist vielmehr, dass sie bitter schmecken. Zu den wichtigsten Bitterstoffen gehören Chinih, Cynarin, Naringin und Lactucin: Cynarin sorgt zum Beispiel für die Bitternote in Artischocken. Es fördert die Produktion von Gallenflüssigkeit, hilft uns also bei der Fett-Verdauung.

Chinin zum Beispiel kommt in manchen Getränken vor (z.B. Bitter Lemon, Tonic Water, Magenbitter). Muss dort aber deklariert werden. Chinin ist nicht frei erhältlich. Es hilft in Arzneimitteln gegen Schmerzen, ist fiebersenkend, löst Verkrampfungen (Wadenkrampf). Für unsere Ernährung ist es nicht massgebend.

Da Cynarin das HDL-Cholesterin erhöht und das LDL senkt, spricht man ihm auch eine arteriosklerosevorbeugende Wirkung zu.
Naringin kommt in Grapefruits und Pomelos vor. Im Magen kann es dem sekundären Pflanzenstoff Naringenin umgewandelt werden – ein wirksames zellschützendes Antioxidans. Zudem kann der Bitterstoff Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Darmkrebs vorbeugen.

Und Lactucin schließlich findet sich in bitteren Salatsorten. Es wirkt beruhigend, entzündungshemmend, antimykotisch (also gegen Pilze) und antibakteriell.

Bitterstoffe – Abnehmen und Schlank werden

Immer wieder hört man, dass Bitterstoffe auch beim Abnehmen helfen sollen. Dafür gibt es bisher keine wissenschaftlichen Belege.

Wobei: bitterstoffreiche Lebensmittel sind sehr energiearm, damit können sie eine Gewichtsabnahme unterstützen.
Und das Beste zum Schluss: Bitterstoffe reduzieren den Heißhunger auf Süßes.

Bitterstoffe – Hast Du genug davon, oder brauchst Du noch?

Dass wir mit dem Verzehr von Obst und Gemüse wirklich Bitterstoffe zu uns nehmen, ist nicht selbstverständlich. Pflanzen enthalten viel weniger Phytonährstoffe – dazu zählen auch Bitterstoffe – als früher.

Seit Beginn der Landwirtschaft vor etwa 10.000 Jahren verändert der Mensch wilde Pflanzen, um sie schmackhafter zu machen und den Ertrag zu steigern. Im Vergleich zu wildem Obst und Gemüse enthalten die heutigen Sorten deutlich weniger Vitamine, Mineralien und essenzielle Fettsäuren.
So enthält wilder Portulak 6mal so viel Vitamin E und 14-mal so viele Omega-3-Fettsäuren wie Spinat und 7mal so viel Carotin wie Karotten.

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Antioxidantien: Funktion, Wirkung und Vorkommen
Ziel sollte es also nicht unbedingt sein, nur mehr Obst, Gemüse und Salate zu essen, sondern vor allem das Richtige „wild“ essen. Wir wählen also gezielt Sorten aus, die noch viel vom Nährwert ihrer Vorfahren enthalten. Auf Bauernmärkten, Slow-Food-Veranstaltungen, Samenbörsen und in Saatenkatalogen werden Obst- und Gemüsesorten angeboten, die ihren „atavistischen Nährwert“ besitzen.

Empfohlen wird der Verzehr von rotem oder dunkelgrünem, lose gefächertem Blattsalat und Wildem Rucola: hier stecken sehr viele Phytonährstoffe drin. Kreuzblütler wie Grün- und Rosenkohl sind eine hervorragende Wahl. An ihnen wurde in der Zucht„erstaunlich wenig „herum experimentiert“. Auch Brokkoli ist so eine Antioxidans-Bombe – aber nur, wenn er ganz frisch ist. Der Tipp: saisonal und regional einkaufen.

Bitterstoffe – So nutz du bittere Lebensmittel für deine Ernährung

Eine verstärkte Wirkung dieser gesunden Nährstoffe in bitteren Lebensmittel erreichst Du durch die richtige Kombination mit anderen Speisen. Nahrungsmittel, die viel „Vitamin C“ enthalten, passen zum Beispiel gut und können zu einer idealen Nährstoffaufnahme beitragen. Damit kräftigst du dein Immunsystem und entgiftest deinen Körper. Wie sieht das aus?

Zum Beispiel ein paar Spritzer frisch gepressten Zitronensaft auf bitteren Salat und Kräuter geben.

Zwiebeln enthalten ebenfalls viel Vitamin C, können also mit Kohl, Endivien oder Brokkoli als Beilage gegart werden.

Alternativ lassen sich Ingwer, Spinat und Löwenzahn perfekt in grüne Smoothies mischen.

Bitterstoffe in Tee und Tee bringen Dich auf Trab (Coffein)

Aus Geschmacksgründen werden heutzutage viele bitter-schmeckende Lebensmittel umgezüchtet – sie schmecken längst nicht mehr so bitter wie früher.

Das ist dramatisch und fatal, denn so ist unser Geschmack kaum noch an den bitteren Geschmack – und damit die gesunden Bitterstoffe – gewöhnt. Durch bestimmte Tees, Pulver und Tropfen kannst du Bitterstoffe aber ganz einfach in deine Ernährung einbauen,  deinen Geschmack wieder an die den bitteren Geschmack gewöhnen und von den Effekten der Bitterstoffe profitieren.

Pulver: Das Pulver besteht aus einer Mischung aus sieben Heil- und Bitterkräutern mit natürlich enthaltenen Bitterstoffen: Löwenzahnwurzel, Kurkumapulver, Ingwerpulver, Galgantwurzel, gemahlene Wacholderbeeren, Kardamompulver und Artischockenpulver. Neben der Verwendung in Smoothies, Bowls und Dressings ist sogar der Einsatz bei deftigen Speise, wie einer Schnitzelpanade, möglich.

Tropfen: Heilplflanzen wie Wermut, Enzian, Kardamom, Angelika, Zitwer, Fenchel und Lavendel machen die Bitterstofftropfen so bitter und gesund. Die Tropfen werden einfach pur in den Mund gegeben. Am besten nach einer Mahlzeit – das unterdrückt den süßen Heißhunger.

Tabletten: (Vegane) Bitterstoff-Tabletten bestehen aus einem Komplex aus Mariendistel, Artischocke und Löwenzahn und können einfach unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden.

Tee: Kräutertee mit Pfefferminzblätter, Fenchel, Ingwer, Schafgarbenkraut, Löwenzahn und Tausendgüldenkraut schmeckt heiß, ist aber auch kalt als Eistee lecker.

Bitterstoffe – In welchen Lebensmitteln sie sind 
Gesunde Bitterstoffe stecken in vielen Lebensmitteln. Zum Beispiel  in Gemüsen, Früchten, Kräutern und Gewürzen. Aber es lassen sich damit auch spannende Bitter-Akzente setzen. Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht von bitteren Lebensmitteln.



Lebensmittelgruppe
LebensmittelTipp
GemüseBrokkoliRosenkohlAubergineFenchelGurke,  Mangold, grüne Paprika, Radieschen, Kohl (z.B. Grünkohl) und SellerieDas grüne Gemüse unter den bitteren Lebensmitteln ist in der Regel außerdem reich an abwehrstärkendem Vitamin C und Vitamin K. Jede Jahreszeit bietet regionale Produkte. Im Winter stehen alle Kohlsorten und Sellerie auf dem Speiseplan.
SalateChicorée. Endiviensalat, Radicchio, Rucola oder asiatische StängelsalateWem Bittersalate pur zu bitter sind, mischt eine Handvoll unter milde Gartensalate oder kombiniert eine Honig-Senf-Vinaigrette dazu.  
FrüchteZitroneGrapefruitPomelo oder KumquatDie Phytonährstoffe stecken in Fruchtfleisch, Saft und Schale (auf Bioqualität achten!), aber auch in der weißen Haut. Zitrusfrüchte sind die Wahl für den Winter.  
WildkräuterEnzian, Fieberklee, Wegwarte, Tausendgüldenkraut, Löwenzahn, WemutWildkräuter strotzen nur so vor Bitterstoffen – zum Vergleich: Eisbergsalat enthält nur 2,5 Prozent der Phytonährstoffe von Löwenzahn. Wildkräuter sind hier im Gegensatz zu Zuchtgemüse nicht weggezüchtet worden. Hauptsaison sind Frühjahr und Sommer.
KräuterSalbei, Minze, Thymian, Oregano, Rosmarin, Liebstöckel, Dill, Koriander, Bohnenkraut und SchnittlauchFrische Kräuter immer reichlich verwenden. Am besten im Biomarkt kaufen oder selbst im Garten oder auf dem Balkon anpflanzen.
GewürzeAnis, Muskatnuss, Ingwer, Nelke, Piment, Kardamom, KurkumaZimtGewürze bringen im Nu Bitterstoffe in jedes Gericht. Zudem sorgen sie für mehr Aroma, stimulieren Leber und Verdauungsorgane und vertreiben Heißhunger.  
Bittere AkzenteBitterschokolade (ab 70% Kakaoanteil; auf Bioqualität achten),  Sesampaste (Tahini),  Walnüsse, Senf, OlivenölSenf sorgt für bitter-scharfe Noten. Das grasig-grüne Olivenöl schmeckt besonders bitter.

Bitter schmeckende Lebensmittel sind eine kulinarische Entdeckungsreise wert. Eingebunden in köstliche Rezepte eröffnen Radicchio, Endivie oder Chicorée ganz neue Geschmacksdimensionen, die deinen Gaumen kitzeln und begeistern werden.

Alle Rezepte findest Du auf Instagram unter https://www.instagram.com/food_lionmessage/ bzw. verlinkt bei den Rezeptbildern der einzelnen Beiträge.

Viel Spaß und guten Appetit!

Winterlicher Granatapfel-Grapefruitsaft

Radicchioblätter mit Rote-Beete-Schafskäse-Creme

Frikadellen mit Rosenkohlpüree

Low-Carb-Fenchel-Quiche

Grüner Chicoree-Avokado-Salat

Gefüllter Chicorée

Rezepthost Getränke

Die Gewürze dazu gibt es hier.
Artikel mit freundlicher Unterstützung – unbezahlte Werbung

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(c) KERI GeWürze

Kevin Rissler
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