Sternanisgewächse – Schisandraceae

Von Philipp Franz von Siebold and Joseph Gerhard Zuccarini – Flora Japonica, Sectio Prima (Tafelband)., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=785739
Kadsura japonica, Illustration

Sternanisgewächse
Systematik
Reich: Pflanzen (Plantae)
Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Ordnung: Austrobaileyales
Familie: Sternanisgewächse
Wissenschaftlicher Name
Schisandraceae
Blume

Die Sternanisgewächse (Schisandraceae) sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Austrobaileyales. Die Areale der Arten reichen von Sri Lanka über Südostasien bis zum westlichen Malaiischen Archipel, und von den südöstlichen USA bis zum östlichen Mexiko. Eine bekannte Art ist der Echte Sternanis (Illicium verum).

Sternanis – Balgfruchtstand – – Bild von Ajale auf Pixabay 

Beschreibung

Es sind verholzende Pflanzen: Sträucher, Bäume und Lianen. Es sind Öl- oder Schleimdrüsen vorhanden. Sie enthalten ätherische Öle. Die wechselständigen Laubblätter sind einfach, krautig bis lederig und gestielt. Der Blattrand ist glatt oder gezähnt. Nebenblätter fehlen.

Die mehr oder weniger radiärsymmetrischen Blüten sind schraubig (spiralig) aufgebaut, nicht in Wirteln. Die Blütenhülle besteht aus schraubig angeordneten (fünf bis) zwölf bis viele Blütenhüllblättern, bei denen entweder ein gradueller Übergang von Kelch- zu Kronblättern zu beobachten ist oder alle Blütenhüllblätter sind gleich gestaltet. Bei Schisandra und Kadsura sind die Blüten eingeschlechtig, bei Illicium zwittrig. In männlichen und zwittrigen Blüten sind vier bis viele fertile Staubblätter vorhanden. Es sind tricolpate Pollenkörner vorhanden. In weiblichen und zwittrigen Blüten sind (fünf bis) sieben bis 15 (bis 21, bis viele) freie, oberständige Fruchtblätter vorhanden.

Es werden Balgfrüchte oder Beeren gebildet oder die Früchte werden als fleischige Sammelfrüchte mit zweisamigen Teilfrüchten interpretiert.

Systematik

Der botanische Name der Typusgattung Schisandra leitet sich aus den griechischen Wörtern: schizein für spalten und anerandros für Mann, männliches Organ ab, dies bezieht sich auf die getrennten Theken mancher Schisandra-Arten. 

Verbreitung

Indien, Süd- bis Ostasien, Nord- bis Mittelamerika

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Doldenblütler – Apiaceae

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8824
Beispiel: Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota), Illustration
Systematik
  Eudikotyledonen  
Kerneudikotyledonen  
Asteriden  
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler
Wissenschaftlicher Name
Apiaceae
Lindl.

Die Doldenblütler oder Doldengewächse (Apiaceae oder Umbelliferae) sind eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Doldenblütlerartigen (Apiales). Die meisten Arten sind krautige Pflanzen mit mehrfach geteilten Blättern und Doppeldolden als Blütenstand, wodurch sie leicht der Familie zuzuordnen sind.

Die Familie enthält etwa 434 Gattungen mit etwa 3780 Arten, und ist weltweit in den gemäßigten Zonen vertreten.

Zu den Doldenblütlern zählen viele Gewürz- und Nahrungspflanzen.

Es gibt jedoch auch einige sehr giftige Pflanzenarten, beispielsweise der Wasserschierling und der Gefleckte Schierling. Oder phototoxische wie den Riesen-Bärenklau mit ihrem ätzenden Saft.

Vegetative Merkmale

Die Vertreter der Doldenblütler sind fast ausschließlich ausdauernde krautige Pflanzen. Einige wenige Taxa, wie etwa in der Unterfamilie Mackinlayoideae, sind verholzt. Die Sprossachse ist in der Regel hohl und knotig. Die Wuchshöhen reichen von mehrere Meter hohen Pflanzen in den Steppen Zentralasiens (Ferula) bis zu wenigen Zentimeter hohen Polsterpflanzen der Antarktis (Azorella).

Viele Arten bilden eine Pfahlwurzel aus. Die Seitenwurzeln entstehen an beiden Seiten der Xylempole, da an der Spitze des Xylempols ein Harzgang verläuft.

Die wechselständigen Laubblätter sind einfach oder mehrfach gefiedert. Nur in Ausnahmen besitzen sie einfache Blätter (Bupleurum). Die Blätter besitzen eine Blattscheide.

Blütenstände

Der Blütenstand ist meist eine vielstrahlige Doppeldolde, eine Dolde aus meist vielen Döldchen. Dieser Bau der Blütenstände ist sehr charakteristisch für die Doldenblütler und hat ihnen auch ihren alten wissenschaftlichen Namen Umbelliferae (Schirm-Träger) eingebracht.

Die Tragblätter der Dolden sind dicht zusammengedrängt und bilden die Hülle (Involucrum), häufig sind sie auch nur schwach ausgeprägt oder fehlen. Hier entspringen die Döldchenstiele = Doldenstrahlen. Die Döldchen (Umbellulae) sind wiederum von einem (oft auch fehlenden) Hüllchen (Involucellum) umgeben. Die Blütenstiele werden nicht „Döldchenstrahlen“ genannt. Häufig bildet der Blütenstand eine Kuppel oder sogar eine Fläche, auf der häufig Insekten anzutreffen sind.

Seltener sind einfache Dolden. Es gibt auch Arten mit Einzelblüten (Azorella). Bei sehr großen Arten können auch mehrere Doppeldolden zu einem noch größeren Blütenstand zusammengefasst sein (Riesen-Bärenklau, Heracleum mantegazzianum).

Blüten

Blütendiagramm von Laserpitium

Die meist unscheinbaren Blüten sind mit Ausnahme des Gynoeceums fünfzählig und in der Regel radiärsymmetrisch. Bei einigen Arten sind insbesondere die Randblüten aber auch asymmetrisch und dadurch zygomorph. Kelchblätter sind ursprünglich fünf vorhanden, jedoch sind sie oft verkümmert oder fehlen ganz. Die fünf Kronblätter sind frei und sind meist weiß, seltener gelb, rosa bis violett. Die Kronblätter besitzen häufig an der Spitze ein eingeschlagenes Läppchen (Lobulum inflexum). Seine Gestalt sowie die Gestalt der Vorderkante des Kronblattes (Flexurkante) sind wichtige Bestimmungsmerkmale.

Es gibt nur einen Kreis mit fünf freien, fertilen Staubblättern, die in der Knospe gekrümmt sind. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Die zwei Griffel (auch als Schnabel bezeichnet) sitzen auf einem scheibenförmigen bis kegelförmigen, glänzenden, Griffelpolster (Stylopodium). Dieses dient als Nektarium, d. h., es scheidet Nektar aus. In jedem der zwei Fruchtknotenfächer befindet sich eine hängende anatrope Samenanlage. Eine zweite verkümmert sehr früh.

Der Aufbau der Blüte kann in folgender Blütenformel zusammengefasst werden: 

Die Blüten sind meist protandrisch. Die Bestäubung erfolgt in der Regel über Fliegen, Käfer und andere kurzrüsselige Insekten (Entomophilie).

Früchte und Samen

Die Frucht ist eine trockene, zweiteilige Spaltfrucht, auch Doppelachäne genannt. Die Gestalt ist häufig zylindrisch mit rundem bis elliptischem Querschnitt. Seltener sind kugelige (Coriandrum) und doppelkugelige Gestalt (Bifora). Die zwei Teilfrüchte (Mericarpien oder Carpiden) bleiben zunächst noch mit der Oberseite an einem Fruchthalter (Karpophor) hängen, der sich in der Mitte befindet.

Jede Teilfrucht hat an ihrer freien Seite fünf Längsrippen oder Hauptrippen (juga primaria) mit je einem Gefäßbündel. Dazwischen liegen Tälchen (valleculae), in deren Wand sich je ein meist dunkler schizogener (durch das Auseinanderweichen von Zellen entstehender) Ölgang (hier als Ölstrieme bezeichnet) befindet. Bei manchen Arten besitzt jedes Tälchen noch eine Nebenrippe (jugum secundarium, etwa die Karotte mit stacheligen Nebenrippen). Die Ölgänge können auch vermehrt (Pimpinella) oder reduziert (Coriandrum) sein oder ganz fehlen (Conium).

Der Samen besteht aus einem sehr kleinen Embryo in einem großen, fett- und proteinreichen Endosperm. Der Embryo liegt am oberen Ende des Samens mit nach oben gerichtetem Hypokotyl. Die Samenschale ist mit der Fruchtwand verklebt.

Die Ausbreitung erfolgt durch Tiere (Epizoochorie), den Wind (Anemochorie), Wasser (Hydrochorie), durch Selbstausbreitung (Autochorie) und teilweise durch den Menschen (Hemerochorie).

Chemische Merkmale

Die Hauptbestandteile der ätherischen Öle können je nach Art überwiegend aus Terpenen oder aus Phenylpropanoiden gebildet werden. Beim Koriander ist es überwiegend (+)-Linalool (Terpen), beim Kümmel (+)-Carvon (Terpen), bei Fenchel und Anis Anethol (Phenylpropanoid).

Inhaltsstoffe

Die Doldenblütler sind die Familie mit dem größten Spektrum an Cumarinverbindungen. Neben einfachen Cumarinen und Hydroxycumarinen (z. B. Umbelliferon) treten auch eine Vielzahl an prenylierten, geranylierten und farnesylierten Cumarinderivaten auf. Dazu zählen auch die Furano- und Pyranocumarine. Erstere können linear oder angulär sein. Hydroxy- und Furanocumarine wirken abschreckend auf Herbivoren (deterrent), als Phytoalexine und als Keimungsinhibitoren. Dabei steigt die Toxizität von Hydroxy- über lineare zu angulären Furanocumarinen an. Die Furanocumarine sind phototoxisch: Bei Einwirkung von UV-Licht wird die DNA inaktiviert (Photosensibilisierung). Anguläre Furanocumarine sind stärker toxisch als lineare, obwohl ihre Phototoxizität geringer ist. Die meisten der holarktitsch verbreiteten, artenreichen Gattungen der Familie enthalten Furanocumarine (etwa Bupleurum und Pimpinella mit je 150 Arten), während viele monotypische Gattungen mit eingeschränkter geographischer Verbreitung keine Furanocumarine enthalten.

Sesquiterpenlactone sind mit über 100 Verbindungen in der Familie vertreten. Es treten die gleichen Grundstrukturen (z. B. Germacranolide, Eudesmanolide, Eremophilanolide und Elemanolide) auf wie bei den Korbblütlern, jedoch stereochemisch unterschiedlich. Außerdem sind sie häufiger hydroxyliert und verestert, insbesondere am C11.

In den Doldenblütlern wurden über 150 Polyacetylen-Verbindungen nachgewiesen. Am häufigsten sind die C17-Diin-diene der Falcarinol-Gruppe. Die Giftigkeit des Wasserschierlings (Cicuta virosa) und der Safranrebendolde (Oenanthe crocata) beruht auf Polyacetylenen.

Alkaloide sind selten. Coniin und ähnliche Piperidin-Derivate kommen im Gefleckten Schierling (Conium maculatum) vor. In der Unterfamilie Saniculoideae treten häufig Triterpensaponine auf. Typische Kohlenhydrate sind das Trisaccharid Umbelliferose und der Zuckeralkohol Mannitol.

Das Vorkommen von Petroselinsäure als Hauptfettsäure bezeugt die enge Verbindung zwischen den Apiaceae und den Araliaceae.

Verwendung

Aufgrund der ätherischen Öle werden viele Arten als Gewürz-, Gemüse- und Heilpflanzen verwendet. Verwendung finden dabei die Früchte, Blätter und Wurzeln. Beispiele sind Kümmel (Carum carvi), Anis (Pimpinella anisum), Koriander (Coriandrum sativum), Dill (Anethum graveolens), Liebstöckel (Levisticum officinale), Fenchel (Foeniculum vulgare), Petersilie (Petroselinum crispum), und Sellerie (Apium graveolens).

Eine gewisse Ausnahme bilden die Karotte (Daucus carota) und der Pastinak (Pastinaca sativa), die vor allem aufgrund ihres Kohlenhydrat-Gehaltes angebaut werden.

Einige Arten sind sehr giftig. Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) lieferte das Gift für den zum Tod verurteilten Sokrates. Ebenfalls sehr giftig ist der Wasserschierling (Cicuta virosa). Weniger giftig ist die Hundspetersilie (Aethusa cynapium), die jedoch oft mit der Petersilie verwechselt wird, wodurch es häufig zu Vergiftungen kommt.

Viele Arten sind aufgrund ihrer Furanocumarine photosensibilisierend und phototoxisch. Zu erwähnen ist hier besonders der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum). Das in den phototoxischen Arten enthaltene Psoralen wird jedoch in der Medizin im Rahmen der PUVA-Therapie zur Behandlung von Hauterkrankungen eingesetzt.

Vorkommen

Die Familie ist weltweit verbreitet, jedoch liegt der Schwerpunkt in den nördlichen gemäßigten Zonen. In den Tropen sind die Doldenblütler besonders in den montanen Höhenstufen verbreitet. Die Doldenblütler wachsen vorwiegend in Steppen, Sümpfen, Wiesen und Wäldern.

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Anis – Pimpinella anisum

Von Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé – www.biolib.deOriginal book source: Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8811

Name

Anis: [aˈniːs];  Pimpinella anisum L.

Pflanzenfamilie 

KategorieName
Reich:Pflanzen (Flora)
Abteilung:
Unterabteilung:
Klasse:
Überordnung:Euasteriden II
Ordnung:Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie:Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie:Apioideae
Gattung:Bibernellen (Pimpinella)
Art:Anis

weitere häufige deutsche Namen

Anais, Süßer Kümmel, Brotsamen, Taubenanis, Römischer Fenchel, Anissamen

Synonyme

für Pimpinella anisum L. sind: Anisum vulgare Gaertner, Apium anisum (L.) Crantz, Carum anisum (L.) Baillon, Selinum anisum (L.) E.H.L.Krause, Sison anisum (L.) Sprengel, Tragium anisum (L.) Link.

Namen der Pflanzen in anderen Sprachen

Englisch: Aniseed
Französisch: Anise vert, boucage
Italienisch: AniceNiederländisch: Anijs
Norwegisch: Anis
Schwedisch: Anis
Spanisch: Anis
Portugiesisch: Erva doce
Russisch: Anis
Arabisch: Yanisum, yansoun
Chinesisch: Huei-Hsiang

Informationen

Aussehen

Kraut
Wurzel : spindelförmig, fleischig, bis 60 cm lang.
Stengel : längs gerillt, aufrecht.
Blätter : die Blätter sind ungeteilt, die Ränder gesägt.
Höhe : 30 – 75 cm.
Blüte : an den Spitzen der 5 cm großen Dolden stehen kleine weiße Blüten.
daraus entwickeln sich die Doppelspaltfrüchte
Blütezeit : Juli/August.
Früchte : sind bräunliche, hellgrüne (getrocknet graubraune) gerippte Samenkörner, 3 – 6 mm. lang, 2 mm breit und sichelförmig; nur in sehr heißen oder langen Sommern reifen die Samen in Mitteleuropa.

Botanische Bezeichnung

Die Erstveröffentlichung von Pimpinella anisum erfolgte durch Carl von Linné. Die Gattung Pimpinella gehört zur Unterfamilie der Apioideae innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Bedeutung

Der Name Anis (mittelhochdeutsch anīs) geht über lateinisch anisum auf das griechische Wort ānison, vielleicht auch ἄνηθον (anēthon), als möglicherweise mit griechisch anemos, „Duft“, verwandte, Bezeichnung der über Ägypten (vgl. arabisch anīsūn) aus dem Orient nach Griechenland gelangten Pflanze (Anis, ursprünglich vielleicht auch Dill, das
ist Anethum graveolens, und andere duftende Doldenblütler) bzw. deren Samen zurück.

Verwendungsformen – essbarer Anteil

Die Samenkörner, ganz oder gemahlen.
Gemahlener Anis verliert schnell seine Würzkraft; es ist zu empfehlen, ganze Samen zu kaufen und bei Bedarf zu mahlen. Auch die Blüten sind eßbar, die Stengel und die Wurzeln können als Würze in Suppen mitgekocht werden.

Verwandte Arten

Fenchel, Kümmel, Koriander, Dill

Verbreitung / Herkunft

Mittelmeerraum; der Beste kommt aus Apulien (Italien); aber aber auch aus Spanien, Frankreich, Türkei, den südlichen russischen Ländern, Indien und Mexiko, Südmerika ; in geringen Mengen auch in Deutschland.

Geschichte / Historie

Anis (Pimpinella anisum) wird seit langem sowohl in der Küche als auch in der Duftindustrie verwendet. Kulinarischen gesehen, bei der Duftherstellung und in der Naturheilkunde hat Anis eine lange Geschichte.
Die ersten Belege für die vielfältige Verwendung gehen bis ins Altertum (3500 v.Chr.) zurück.
Es gibt bereits Nachweise aus dem alten Ägypten. In einem Pharaonengrab wurden bei Ausgrabungen Aufzeichnungen einer altägyptischen Rezeptsammlung gefunden. Die Ägypter verwandten die Blätter und den Samen.
Das sogenannte Papyrus Ebers stammt aus der Zeit von ca 1500 v.Chr.

Bei Ausgrabungen auf der griechischen Kykladeninsel Santorin wurden zudem Anisreste gefunden, sie ergaben, dass bereits im 16. Jahrhundert v. Chr. die Verwendung von Anis üblich war. Im alten Kreta war Anis, neben Koriander (Coriandrum), Wacholder (Juniperus) , Dost = Oregano (Origanum vulgare), im Gebrauch zum Würzen von Wein.

Im 7.Jhd. v. Chr. betrieben Athen und Korinth einen lebhaften Handel mit Duftölen, in denen auch der Anisduft eine Rolle spielte. Pythagoras von Samos pries um 550 v. Chr. mit Anis gewürztes Brot als köstliche Delikatesse. Beide, Pythagoras  (579 – 480 v. Chr.) und Hippokrates (460 – 370 v. Chr.) empfahlen es auch als Heil- und Schönheitsmittel.

Im antiken Rom war das aromatische Gewürz in feinem Backwerk eine begehrte Zutat. Kuchen, die bei festlichen Anlässen kredenzt wurden, waren traditionell mit Anis gewürzt. Sogar im römischen Kolosseum wurde dem Anis-Genuss gefrönt – er diente den Zusehern von Gladiatorenkämpfen als erfrischende Knabberei für zwischendurch.

Bei den Römern hielt der Anis Einzug in die Feinbäckereien. Kuchen (mustaceum) wurden die bei hohen Festlichkeiten gereicht, sie waren mit Anis-Früchten gewürzt.

Schriftliche Erwähnung fand der Anis schon bei Dioskurides (1 Jhd.) – zur Zeit der Kaiser Claudius und Nero, Militärarzt. Bekannt für das fünf Bände umfassende klassische Hauptwerk der Arzneimittellehre, die „De materia medica„. Der griechische Orginaltitel lautet „’Περι υλης ιατρικης’,“. Was Dioskurides schrieb, war bis in das 18. Jahrhundert hinein prägende Lehrmeinung. Liest man den Absatz über Anis, den Dr. Johann Georgs Krünitz um 1800 in seiner „Ökonomischen Enzyklopädie“ verfasst hat und vergleicht ihn mit dem, der von Dioskurides rund 1700 Jahre zuvor geschrieben wurde, könnte man auf die Idee kommen, Krünitz habe bei Dioskurides abgeschrieben

Cap. 58 (65). Anis. Das Anison (Einige nennen es auch Sion, die Römer Anisum) hat im Ganzen eine erwärmende, austrockende, das Atmen erleichternde, schmerzstilende, vertheilende, harntreibende, die Säfte verdünnende und, bei Wassersucht getrunken, durststillende Kraft. Es ist auch ein gutes Mittel gegen den Biss giftiger Thiere und gegen Blähungen. Es stellt den Durchfall und weißen Fluß, befördert die Milchabsonderung und reizt zum Beischlaf. Der durch die Nase aufgesogene Rauch des angezündeten Anison lindert Kopfschmerzen, fein gerieben und mit Rosenöl eingetröpfelt heilt es Reissen in den Ohren. Das beste aber ist das frische, volle, nicht krümlige, stark duftende. Vorzuziehen ist das kretische, dann kommt das ägyptische.

Vergil (Publius Vergilius Maro) – römischer Dichter – (70 v.Chr. bis † 19 v.Chr.) berichtet z.B. von Aniskeksen und Hochzeitskuchen mit Anis Früchten.

Kekse aus Anis waren scheinbar zudem eine beliebte Knabberei, sozusagen das Popcorn der Antike: Bei Ausgrabungen im römischen Kolosseum entdeckten Archäologen Überreste von Anisgebäck, das wohl den Zuschauern der Gladiatorenkämpfe unter die Sitze gerutscht war.

Die Bibel erwähnt Anis im Matthäus-Evangelium (Matth. 23,23).

Plinius (Gaius Plinius Secundus Maior) der Ältere – römischer Gelehrter (23/24 bis 79 n.Chr) bekannt durch seine Naturalis historia – einem 37 Bände umfassendes Werk zur Naturkunde -schrieb: daß Anis nicht nur den Atem verbessere, sondern:

Auch der Anis (anesum) wird mit Wein gegen die Skorpione getrunken; er wurde, teils roh, teils abgekocht, wie nur wenige Pflanzen von Pythagoras gelobt … In Säckchen abgefüllt, verbessert er mit bitteren Mandeln den Wein … Er verleiht ein jüngeres Aussehen. Die Schlaflosigkeit beseitigt er, wenn man ihn so über dem Kissen aufhängt, daß man seinen Geruch im Schlafe einatmet. Er macht Appetit, da ja nun die Genußsucht auch dies unter ihre Kunstgriffe aufgenommen hat, seitdem die Arbeit aufgehört hat die Eßlust zu wecken … Man glaubt auch daß es für den Bauch und die Eingeweide nicht besseres gebe … [Frauen] die daran riechen, sollen auch leichter gebären… (Plinius XX, 185-195).

Nach Mitteleuropa gelangte das Gewürz im 8. Jahrhundert n. Chr. mit den Mönchen des Benediktiner-Ordens. Zu besonderer Blüte kam Anis dann im Mittelalter, da ihm allerlei magische Wirkungen zugeschrieben wurden. Außerdem sollte er als Aphrodisiakum wieder Schwung in alltagsgeschwächte Liebesbeziehungen bringen.
Erste Erwähnung findet die Pflanze dann in der „Capitulare de villis“ von Karl dem Grossen (768-814). Dort wird in § 70 der Anbau von Anis in den Klostergärten angeordnet

Im 14. Jhdt. erhob King Edward I. auf den Handel eine Steuer, um die Reparatur der London Bridge bezahlen zu können.

Dann geht es munter weiter, fast jeder, der damals auf dem Gebiet Bedeutung genoss, hatte etwas zu dem Thema zu schreiben. Auch in Paracelsus „Sämtlichen Werken“ wird der Anis erwähnt

In der „Causae et Curae„, verfasst von der  heiligen Hildegard von Bingen, ist Anis als „erweichendes Mittel“ beschrieben.

Sehr gelobt wird er im Jahre 1565 im „Kräuterbuch“ des von Hieronymus Bock, der ihn gegen Hydrops (Wassersucht), Blähungen, Magenbeschwerden, Singultus (Schluckauf), Fluor albus (Weissfluss), als schmerzstillendes und verdauungsförderndes Mittel, sowie äußerlich als Augenpflaster, gegen Kopf- und Ohrenschmerzen empfiehlt.

In Matthiolus „New-Kräuterbuch“ von 1626 wirkt der Anis außerdem stopfend, durstlöschend, gegen Lungenverschleimung und schlechten Atem: „in summa, er öffnet, wärmet und stärket alle innerlichen Glieder.

Weinmann führt in seiner „Phytanthoza iconographia“ aus dem Jahre 1737 auch noch den Gebrauch von Anis als geburtserleichterndes Mittel an.

Haller fügt im Jahre 1755 im „Medicin, Lexicon“ als Einsatzgebiete für Anis noch den Bronchialkatharr und die Engbrüstigkeit hinzu.

Von Christoph Wilhelm Hufeland (1762−1836) wurde Anis als schleimlösendes, milchtreibendes und magenanregendes Mittel verwandt.

Das damalige Basiswerk der englische Medizin „Medicinal Plant“ verfasst von Bentley und Trimen im Jahre 1880, empfiehlt Anis bei Flatulenz (Blähungen), Koliken und zur Linderung der Beschwerden nach Einnahme von Abführmittel.

Es sei noch erwähnt: Die Autoren des Mittelalters, und auch die des 17. und 18. Jahrhunderts, orientierten sich in ihren Werken häufig an den Großen der Antike, wie etwa Dioskurides, Pythagoras, Hippokrates und Plinius.

Anmerkungen:

Galt im Mittelater als potenzfördernd: „Enyß in Speis bringet Begierde zu ehelichen Werken“.

Beschreibung

Anbau

Anis ist eine lichtliebende Pflanze, die reiche Böden bevorzugt. Während der Wachstumsperiode muss der Boden gleichmäßig feucht bleiben. In der Erntezeit wirken sich wechselnde trockene und feuchte Perioden negativ auf die Erntequalität aus. Die Dolden reifen nicht gleichzeitig, sondern nacheinander, und auch innerhalb einer Dolde reifen die Samen nur uneinheitlich. Die Temperatur bestimmt die Dauer der Vegetationsperiode. Anis wird im August/September geerntet, wenn die Stängel gelb werden. Früher wurde dabei das Kraut mit der Sense abgemäht und die Früchte ausgedroschen.

Im Mittelalter wurde die Pflanze auch nördlich der Alpen angebaut, obwohl hier das Wetter nicht verlässlich genug war, um die Früchte in jedem Sommer ausreifen zu lassen. Anbaugebiete waren zu dieser Zeit beispielsweise die Gegend um Erfurt, Magdeburg, Bad Langensalza, Mühlhausen, wo es auch Anisölbrenner gab, die das ätherische Öl durch Wasserdampf extrahierten.

Vermehrung

Ende März bis Anfang Mai wird gesät und mit knapp 1 cm Erde bedeckt; A. keimt in 3 bis 4 Wochen und braucht bis zur vollen Entwicklung etwa 4 Monate.
Dann müssen die Pflänzchen auf 10 cm Abstand verdünnt werden, obwohl sie die Umpflanzung schlecht vertragen. Es ist besser, im zeitigen Frühjahr die Samen im Haus in Töpfe zu säen und sie nach den Eisheiligen in den Garten zu pflanzen.
Ungeübte sollten die junge Pflanzen beim Gärtner kaufen.

Lebensdauer der Pflanze.

Staude, einjährig

Im Garten

benötigt sehr viel Sonne auf nährstoffreichem, kalkhaltigem Boden.

Im Haus

läßt sich grundsätzlich auch im Haus ziehen, benötigt wegen seiner langen Pfahlwurzel einen tiefen Topf.

Pflege

jäten, hacken, häufig wässern.

Ernte

Die Dolden werden im Frühherbst, wenn sie die Farbe wechseln, abgeschnitten und zum Abtrocknen so gelegt, daß die abfallenden Samen aufgefangen werden.

Professionell werden die geernteten Garben gedroschen.

Die nicht zur Saat vorgesehenen Körner werden lauwarm gewaschen und getrocknet; danach reibt man sie zwischen den Fingern, um die Samenhüllen abzustreifen

Nahrungsbeziehungen

Krankheiten

Einkauf

Da Anis sehr preiswert zu kaufen ist, ist die Mühe des Anbaus in unseren Breiten unökonomisch.
Erhaltbar als ganzer Samen oder gemahlen.

Aufbewahrung – Lagerung

Die Samen werden getrocknet in einem luftdicht schließendem, dunklem Gefäß aufbewahrt.
Wenn sich die Samen dunkel färben sind sie unbrauchbar.

Wirkstoffe

2- 3% ätherische Öle, davon 80 – 90% Anethol, außerdem Isoanethol, Anisaldehyd, Calcium, Eisen und Magnesium.
1 g enthält 3,4 Kalorien.

Anwendung

Varianten

verschiedene Sorten

Gesundheit / Heilkunde

Gestoßener Samen und auch Tee wirkt krampf- und schleimlösend. Geröstete Körner kaut man, um Mundgeruch zu beseitigen und um einen Schluckauf zu beenden.

Anis fördet die Produktion von Gallenflüssigkeit. Somit bei fetthaltigen Speisen verdauungsfördernd, mildert Blähungen, hilft bei Koliken. Bei Husten reizstillend und schleimlösend. Regt Herz und Atmungsorgane an und wirkt beruhigend auf die Nerven. Anis fördert die Milchproduktion bei jungen Müttern. Anisöl vertreibt Läuse und Kratzmilben. Die ätherischen Öle lösen bei den Parasiten eine Muskellähmung aus. Dies bewirkt den schnellen Tod der Tiere. 

Äußerlich: Anisöl ist Bestandteil von Mundwasser, Zahnpasta; in heißem Wasser Dampfbad bei Erkältungen.

Krankheiten

Rechtliche Situation (Deutschland)

Gebrauch

Aus den Stengeln und Blättern wird Öl gewonnen, das meist zu medizinischen Zwecken verwendet wird.
Anis findet man in vielen alkoholischen Getränken – Raki, Anisette, Pernod u. a.
Ratten und Mäuse werden von Anis angezogen; deshalb sollte man in eine Mause- oder Rattenfalle ein Aniskorn legen.

In der Küche

Weihnachtsgebäck, Brot, Kuchen, Obstsalate, Apfel- und Birnenkompott, Pflaumenmus, Milch- und Griesspeisen, Lebkuchen, Honigkuchen, Rotkohl, Möhren

Küchentipps und Verarbeitung

Anissamen sollten kurz vor der Verwendung im Mörser o.ä. zerkleinert werden, dann bleibt das volle Aroma erhalten. Sehr aromatisch – sparsam verwenden.

Auswirkung auf Speisen und Geschmack / Aroma

Fenchelähnlich, süßlich aromatisch. Würzig und frisch. Teilweise in Getränken lakritzartig

Spice pairing / Gewürz pairing mit Gewürzen
– Zusammenspiel mit anderen Gewürzen

Gewürznelke, Kardamom, Muskatnuss, Sternanis, Thymian, Zimt, Zucker, Basilikum, Estragon, Kerbel, Piment, Zitronengras

Food pairing / Gewürz pairing mit Gerichten
– Passend zu Gerichten

Brot, Gebäck, Kuchen, Gemüse, Rotkohl, Möhren – – vorsichtig bei hellem Fleisch, Fisch, Zitrone


Drink pairing / Gewürz pairing mit Getränken
– Passend zu Getränken

Liköre – Pastis, Anisette, Ouzo, Arrak, Pernod, Ricard, Sambucco
Glühwein, Punsch, Bowle, Chardonay


Gewürz completing – passende Rezepte
– (ausgesuchte- zu dem Gewürz passend)

Anis-makronen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anisplätzchen

Apfel-Anis-Salat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aniszucker

Salz-Huhn mit Anis – Teil 1 . . . . Poulardenbrust / Anis-Sauce – Teil 1
Salz-Huhn mit Anis – Teil 2 . . . . Poulardenbrust / Anis-Sauce – Teil 2


Gewürz- oder Bratapfel mit Anis

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Anis – Pimpinella Anisum – gibt es hier

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